John Horrocks

John Horrocks (* 29. Juni 1816 † 13. Juni 1881)

John Horrocks war der Begründer und Innovator der modernen Fliegenfischerei in Europa. Er erblickte am 29.06.1816 im schottischen Edinburgh das Licht der Welt. Der Absolvent der englischen Eliteschule Eton, dessen Eltern auf der Insel eine Baumwollspinnerei – andere Quellen überliefern eine Bierbrauerei – betrieben, war wohlhabend. Horrocks Wie auch viele seiner Landsmänner bereiste er irgendwann, zwecks Ausübung der Fliegenfischerei, Deutschland und befischte 1835 erstmals die Ilm in Thüringen. Das Fliegenfischen beherrschte er in höchster Vollendung.

!840 siedelte er dann komplett nach Weimar über, wo er im Lauf der Jahre dreimal heiratete und zweimal Witwer wurde. Seine Frauen waren Caroline Hahn (†1847), Isabella Zwierlein (1825-1853); und Maura Diehme.

In Thüringen verfasste er einen Bestseller über das Fliegenfischen: “Die Kunst der Fliegenfischerei“, welches 1874 erschien. Horrocks schrieb im Vorwort: “Wenn ich, obgleich Engländer, es wage, Deutsch und für Deutschland zu schreiben, so bitte ich den Leser im vorraus dieser Anmaßung wegen um Nachsicht und führe zu meiner Entschuldigung nur an, dass ich seit dreißig Jahren in Deutscland wohne und fast selber ein Deutscher geworden bin. Doch bin ich noch genug Engländer, um nicht lebhaft zu bedauern, dass die in England so hoch geschätzte Kunst der Fliegenfischerei in Deutschland noch immer keinen festen Fuß hat fassen können.“

In Bezug auf Angeltechnik und Fliegenmuster wies sein Werk keine sonderlichen Innovationen auf, hatte er doch die meisten Inhalte diesbezüglich ganz banal aus der englischen Fachliteratur entnommen.

Das wichtige, was Horrocks in seinem Werk beschrieb, war etwas anderes. Er  bemängelte das “Sport“ sich nicht ins Deutsche übersetzen ließ. Ein klarer Beweis, dass es den “Sport“ in Deutschland nicht gab! Sport leitete sich ja vom lateinischen disportare ab, was nichts anderes wie “sich zerstreuen“ meinte. Für ihn war der Fischer etwas anderes, wie jemand, der zwecks Lebensunterhalts auf Fischfang ging. Für ihn war es eine Passion unter Sportsmännern. Er merkte kritisch an: „“Ein Sportsmann in Alt-England ist nicht allein ein ausgezeichneter Jäger, sondern ein kühner Verehrer der “Sports of fields“, jener männlichen Vergnügungen, wie Reiten, Fliegenfischen, Rudern, Schwimmen, Fahren etc.. So zum Beispiel wird man in England bei der Rückkehr von einer Jagd niemals gefragt:’Haben sie viel geschossen?’, sondern: ’Have you had a good Sport?’ Horrocks schildert in dem Buch den traurigen Zustand eines Verfalls der Fischerei, nennt dabei das Kind beim Namen: “Unwissenheit … Gleichgültigkeit … absolute Unzulänglichkeit der Gesetze.“ Seine Kritik galt aber auch den Fischern selbst, denen Zitat:“… nichts heilig ist“ und führt weiter aus: “Die Regel ist hier die, mit jedem erdenklichen Apparat, zu jeder Jahreszeit, jeden Fisch, von welcher Größe und welchem Gewicht er immer sei zu fangen. Die Folge ist, dass die Flüsse leer sind“. Kein Angelschriftsteller vor ihm, hatte es gewagt, jemals so deutliche Worte zu benutzen. Der “Gutmensch“ Horrocks war es auch, der mit einer damals weit verbreiteten Mystik in der Fischerei aufräumte. Er klärte auf, anstatt die Verbreitung traditioneller mittelalterlicher Bräuche zu pflegen. Sein Ziel war die Schaffung einer Lobby für die Fischerei und der Erlass wirksamer Gesetze zur Schonung der Fische. Begründet wurden seine Forderungen durch seine 30jährige Fischereierfahrung. So beobachtete er an der Ilm folgendes: Von 1840 – 1850 fing er in mancher Saison 400-500 schöne Fische von 2-3 Pfund Gewicht. 1860 seien es in der Regel jedoch nur noch gut ein Dutzend gewesen. Er merkte zudem an: “In der Umgebung Weimars gehört ein Lachs jetzt zu den größten Seltenheiten, ebenso in der Saale, wo sie vormals hundertweise gefangen wurden.“

In romantischer Art beschreibt Horrocks in seinem Buch die Freuden der Fliegenfischerei:“Der Gesundheit ist das Fliegenfischen sehr zuträglich, man ist viel und bei jedem Wetter in der freien Luft, gewöhnt sich an raschen Wechsel der Temperatur, die Muskeln werden sehr gekräftigt, und man wird, wie der Jäger, zu jeder Anstrengung gestählt. Und der Appetit! Mit welchem Vergnügen sucht man während der Hitze des Tages mit seinen Gefährten ein schattiges Plätzchen, um auszuruhen und Brot, Käse oder kalten Braten neben einem Gläschen Bordeaux oder bayrischem Bier mit wahrem Heißhunger zu verzehren. Und wie köstlich schmeckt die unvermeidliche, duftende Havannah oder eine Pfeife von Lewis Mischung. Dabei fehlt eine animierte, meist dem Fischfang betreffende Unterhaltung nicht.“

Treffender kann man die Fliegenfischerei, auch heute, kaum beschreiben!

Der Autor des Werkes “Die Kunst der Fliegenfischerei auf Forellen und Äschen in Deutschland und Österreich“ ist in Weimar, Thüringen, begraben. Ihm ist dort eine Gedenktafel gewidmet, auf dem folgender Nachruf zu lesen ist: “Er war ein echter englischer Sportsmann, mit allen Vorzügen und Wunderlichkeiten eines solchen. Für ihn waren die Fische überhaupt nur vorhanden, um an der Angel gefangen zu werden. In der Kunst des Fliegenfischens hatte er es zu hoher Vollendung gebracht, und es muss ihm zum Ruhme nachgesagt werden, dass er durch Lehre und Beispiel, durch seine Schriften und durch die schonende Behandlung seines Fischwassers viel dazu beigetragen hat, den Fischereisport in Deutschland einzuführen und zu verfeinern.“

Verwendete Quellen und weiterführende Links:
Die Kunst der Fliegenfischerei von John Horrocks – Verlag Fischueberalles.ch (2007)
Sonderheft „Geschichte des Angelns“ von Fisch & Fang (Verlag Paul Parey)
Wikipedia – https://www.wikipedia.org
http://www.horrocks-ev.de

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