Frank Sawyer

Frank Sawyer ( * 1906 – † 1980)

Frank Sawyer war ein englischer Fischereiaufseher, Angelguide, Schriftsteller und der Vater berühmter Fliegenmuster, wie der Pheasant-Tail – Nymphe und dem Killer Bug. Sawyer erfand unter anderem auch eine Reihe von verschiedenen Tierfallen, von denen einige seinen Namen tragen. Die am weitesten verbreitete (Imbra) wird für den Gebrauch im Vereinigten Königreich nicht mehr produziert. Sawyer starb im Jahr 1980 an den Ufern des Flusses Avon bei Netheravon .

Biographie

Sawyer wurde am Mill House in der Ortschaft Bulford an den Ufern des Flusses Avon in Wiltshire geboren und machte alsbald Karriere als Gewässerwart.

Sawyers erster Job als Gewässerwart begann im Jahre 1925 am Fluss Avon in Wiltshire in der Nähe des Sees nördlich von Salisbury. Er wurde von Oberstleutnant Bailley als Assistenzwart von Fred Martin beschäftigt und verwaltet die sechs Meilen des Flusses rund um das “Lake House“, welches aktuell dem Musiker Sting gehört.

Im Jahr 1928 wechselte er als leitender Gewässerwart zu den Gewässern der Officer’s Fishing Association , die später zur Dry Fly Fishing Association ( SDFFA ) wurde. Sawyer verblieb dort als leitender Gewässerwart bis zu seinem Tod im Jahr 1980. Die SDFFA – Gewässer umfassen die hochklassige Fischerei von etwa sechs Meilen der größten Chalkstreams im Bereich des Salisbury Plain (Salibury Hochebene) und einer Reihe von kleinen Seen, die von Frank Sawyer in den 1960er Jahren angelegt wurden.
Mit der Zeit Sawyer übernahm die Leitung der Gewässerwarte auf den SDFFA – Gewässern und erkannte schnell, dass die natürliche Reproduktion der wilden Forellenbestände deutlich zurückging. Dies war auf den Rückgang der Feuchtwiesen zugunsten von Ackerland, erhöhte Gewässerverschmutzung und große Mengen von Schlickeintrag durch die umliegenden landwirtschaftlichen Flächen zurückzuführen. Ein weitere Beeinträchtigung  erfolgte aufgrund von Flurschäden und der Umweltverschmutzung durch Panzermanöver der Armee auf Salisbury Plain. In den frühen 1930er Jahren war der wilde Forellenbestand nicht mehr umfangreich  genug, um den Anforderungen der Fischer dort zu genügen. Frank Sawyer erkannte durch detaillierte Beobachtungen des Flusses, dass die Sterblichkeit der Eier in den Laichgruben bei nahezu 100% lag. Die wenigsten der geschlüpften Brütlinge hatten eine angemessene Überlebenschance. Frank Sawyer führte daher ein groß angelegtes Programm durch, um den Bestand des Flusses mit Forellenbrut zu stützen. Ältere Wildforellen wurden vom Nine Mile River und anderen Nebenflüssen gefangen, Eier und Milch abgestreift und dann befruchtet wieder in den Fluss eingebracht. Befruchtete Eier wurden in einem dafür eigens gebauten Bruthaus von Sawyer vorgezogen, bevor die Jungfische wieder in den Fluss entlassen wurden. Der Fluß wurde mit rund 100.000 Sömmerlingen jedes Jahr in der Periode von 1930 bis 1953 besetzt,  was zu ca. 2000 großen fangfähigen Fischen führte, die jedes Jahr gefangen wurden. Ungeachtet all derer, die dem Angler entkamen.

Trotz des Erfolgs der Forellenbrut-Programms,  war das ökologische Gleichgewicht des Flusses Avon weiter rückläufig. Das Flussbett wurde verdichtet und weiträumige Teile des Flusses verwandelten sich in schlammige , stagnierende Moore in denen sich der Schlick und Schlammeintrag des umliegenden Ackerlandes und das unbehandelte Abwasser ablagerte. Der Fluss wurde so schnell für Forellenlebensfeindlich. Frank Sawyer startete daraufhin in den frühen 1950er Jahren ein Großprojekt welches als „Das große Aufräumen“ bekannt wurde. Dabei wurden durch umfangreiche Baggerarbeiten, in den am schwersten betroffenen Gebieten, Schlamm und Schlick  beseitigt, um das Flussbett aus Kreide und Kies wieder freizulegen. Querverbauungen, wie Schleusen und Wehre wurden zurückgebaut, um durch die vorher reduzierte Strömungsgeschwindigkeit wieder zu erhöhen. Damit sollte einer weiteren Sedimentation des Flußgrundes vorgebeugt werden. Alte Wiesenkanäle und –bäche wurden restauriert, um einen natürlichen Filter zu bilden und den kleinen Fischen und Insekten eine Kinderstube bieten zu können. Schließlich wurden Schlicksammelgruben in den am schwersten betroffenen Gebieten ausgegraben, um den Schlamm daran zu hindern den Hauptfluss zu erreichen. Das große Aufräumen hatte eine enorme Auswirkung auf den Fluss Avon. Der Fluss gelangte zu seinem ehemaligen Ruhm zurück, einer der weltweit bedeutungsvollsten Chalkstreams zu sein. Es war fortan nicht mehr erforderlich den Forellenbestand durch Besatz zu stützen, da die natürliche Reproduktion nun völlig ausreichte. Es gab eine regelrechte Bestandsexplosion der Mai- und Eintagsfliegen und der anderen Lebewesen am Fluss, worauf die Fischerei von allen Mitgliedern SDFFA als die beste in der Geschichte des Flusses beschrieben wurde.

Leider waren die positiven Auswirkungen der großen Fluss-Sanierung nicht von langer Dauer. In den späten 1950er Jahren der Zustand des Flusses sich wieder negativ zu verändern. Bio- Schlamm aus verrottenden Blättern hatte sich in einigen Bereichen angereichert, aber das Hauptproblem war das mangelhafte Wachstum der Fische, trotz der scheinbaren Fülle an Nährtieren. Es wurde einmal mehr notwendig das Besatzprogramm mit Forellenbrut durchzuführen. Den Durchbruch brachte dieses Mal die Zugabe einer großen Menge von feinem Kreidepulver im gesamten Flusssystem  der SDFFA. Sawyers Entdeckung über die Bedeutung der Kreide wurde durch ihn aufgrund eines Unfalls gemacht und blieb noch lange nach seinem Tod umstritten. Sawyer bemerkte, dass durch das ausbaggern der Seen in seinem Fischereibezirk eine große Menge  Kreide als Schwebstoff ausgewaschen wurde. Ein paar Monate später waren die Forellen im See dann deutlich besser abgewachsen und übertrafen größenmäßig die gleichaltrigen Fische im Avon deutlich. Sawyererkannte, dass die im Wasser gelöste Kreide sich positiv auf organische Substanzen auswirkte und eine Bevölkerungsexplosion der Insekten-, Schnecken- und Krebstierpopulation auslöste – Sie alle sind eine wichtige Nahrungsquelle für die Forellen. Sawyer ordnete die Zugabe von Kreide auf die gesamte Fischerei der SDFFA an. Die Ergebnisse waren verblüffend und daraufhin in Frankreich durchgeführte Maßnahmen erzielten ebenso deutliche Erfolge. Leider ist die Verwendung von Kreide im Fischereimanagement nicht sonderlich populär, wie die Praxis Forellenbrut durch abstreifen von Elterntieren und vorstrecken in Bruthäusern zu generieren. Die Gesundheit des Ökosystems war viel weniger relevant und weitaus umständlicher als die Aufzucht der Fische in Brutanstalten und Farmen. Die natürliche Reproduktion der Forelle verlor als Faktor in der Fischereiwirtschaft an Bedeutung und das Wasser hatte fortan nur gesund genug zu sein, um den Forellen lange genug Lebensraum bilden zu können bis sie gefangen werden konnten. Die SDFFA und andere eher traditionelle Fischerei setzen weiterhin auf natürliche Reproduktion und gesunde Gewässer, aber die finanziellen Möglichkeiten und der Arbeitsaufwand hinsichtlich von 6 Meilen Flussstrecke sind zu viel für einen Fischereiverein der über ein begrenztes Budget verfügt. Somit nahm die SDFFA das Brutprogramm wieder auf.

Frank Sawyer Nymphen

Sawyer ist wahrscheinlich am besten bezüglich der Entwicklung der „versunkenen Nymphe“ bekannt und der damit verbundenen Nymph – Technik manchmal auch als „Niederavon – Stil“ bezeichnet. Sawyers Nymphen waren insofern innovativ, dass sie mit feinem Kupferdraht anstelle von Seide oder Faden zusammengebunden wurden. Dies ermöglichte den Nymphen schnell zu sinken und gab ihnen auch eine durchscheinende Färbung, wenn sie sich unter Wasser befanden. Sawyer war ein Verfechter der „sink and draw“ –  Methode, wobei die Nymphe zunächst sinkt, um dann am Ende der Drift zur Oberfläche zu „schwimmen“. Das Steigen in Richtung der Oberfläche wird durch Ziehen an der Schnuroder langsames Anheben der Rutenspitze erzielt, auch als Leisenring-Lift bekannt. Oftmals wird dieses mit einem Biss des Fisches quittiert. Der Niederavon Stil der Nymphenfischerei, von Frank Sawyer gelehrt, wurde zunächst durch den Naturalist, Fliegenfischer und TV-Moderator Oliver Kite in seinem Buch „Nymphe Fishing in Practise“ 1963 popularisiert, welches mit einer biographischen Einleitung von Robert Spaight im Jahr 2000 neu veröffentlicht wurde.

Die Pheasant Tail – Nymphe war das erste und immer noch am weitesten verbreitet Muster von Sawyers beschwerten Nymphen. Sie ist mit feinen Kupferdraht und den Schwanzfedern des Europäischen Jagdfasan gebunden. Die Pheasant Tail – Nymphe wurde als Gruppenmuster entwickelt und imitiert auf klassische Art eine dunkle freischwimmende Nymphe.

Der Grey Goose Nymph wird in genau der gleichen Weise wie die Pheasant Tail – Nymphe, jedoch mit hellgrauen Gänsefedern gebunden. Die Grey Goose- Nymphe ist als ein generisches Muster entworfen worden, um die helleren freischwimmenden Nymphen zu imitieren.

Die schwedische Sawyer Nymph wurde während seines Besuches am Storan Fluss – System in Schweden mit dem berühmten skandinavischen Fischer Nils Farnstrom konzipiert. Sawyer schrieb über diese Reise in „Nymphs and the Trout“. Die schwedische Sawyer Nymphe ist mit einer dunkelgrauen Gänsefeder gebunden und imitiert die Larven der Maifliege.

Sawyer entwickelte außerdem den Killer- Bug als Mittel zur Bestandskontrolle der Äsche im Fluss Avon,  die dort zu dieser Zeit als regelrechter Schädling verrufen war. Der Killer –  Bug sollte nicht nur die Süßwassergarnelen imitieren, sondern sieht entfernt auch einer Köcherfliegenpuppe ähnlich. The Killer Bug wurde von Sawyers Freund und Weggefährte Lee Wulff benannt. Er wird mit großen Mengen von Kupferdraht und hellbeiger Wolle gebunden. Ursprünglich wurde der Killer- Bug mit einer Wolle, die mit der Bezeichnung Chadwick 477 benannt ist, gebunden. Als die Produktion dieser Wolle im Jahre 1965 eingestellt wurde, veranlaßte Sawyer die Herstellung einer speziell hergestellten Kopie. In Fliegenfischer – Kreises gilt die Original Chadwick 477 Wolle gilt als mythisch mit  Fanggarantie, so dass Spulen dieser Wolle unter Liebhabern für Hunderte von Pfund verkauft werden.

Der Bow Tie Buzzer war der letzte von Sawyers Nymphenkreationen. Er verfügt über ein einzigartiges Design, welches der Fliege ermöglicht dass der Haken frei auf dem Vorfach rotieren kann. Der Bow Tie Buzzer wurde entworfen, um die großen Mückenlarven in Stillgewässern zu imitieren. Das Muster wird mit Fasanenfedern und Zinn -Folie mit einer weißen Wolle „Bow tie“gebunden, um die Cilia zu imitieren. Der Bow Tie Buzzer muss in einer bestimmten Art und Weise  am Vorfach befestigt werden, damit das Muster richtig funktioniert. Zunächst wird der Haken auf das Vorfach gefädelt und darf nach oben und unten auf der Leine frei laufen . Zweitens wird ein Stück weiße Wolle an das Ende des Vorfaches gebunden. Dadurch wird der Freilauf des Hakens am Ende des Vorfaches begrenzt. Einmal in Stillwasser geworfen kann die Fliege wie eine natürliche Mückenlarve rotieren.

Die Frank Sawyer Nymphen werden heute noch von Sawyer Nymphen Ltd verkauft. Diese Nymphen sind in der ursprünglichen Weise und mit den von Sawyer verwendet traditionelle Materialien gebunden.

Karriere als Autor

Sawyer war ein produktiver Schriftsteller und schrieb Hunderte von Artikeln und reichlich Notizen über seine Beobachtungen und Experimente. Einige seiner frühen Artikel wurden in dem inzwischen klassischen Buch „Keeper of the Stream“ zusammengestellt. Dieses wurde zunächst 1952 von A. & C. Black veröffentlicht und wurde seitdem einige Male neu aufgelegt. Die neueste Ausgabe (2005 ) wurde als limitierte Sonderedition von Sawyer Nymphen Ltd veröffentlicht und enthält ein neues Kapitel welches bisher unveröffentlichtes Material und ein paar neue Fotos aufweist.

Als das beste von Sawyer -Bücher gilt „Nymphs and the Trout“. Die erste von mehreren Ausgaben wurde 1958 von Paul Stanley & Co. Veröffentlicht. Das Buch wurde in andere Sprachen übersetzt. Die neueste Veröffentlichung (2006 ) ist eine limitierte Sonderedition von Sawyer Nymphen Ltd , die die erste und zweite Ausgabe enthält, sowie ein neues Kapitel mit bisher unveröffentlichtes Material , sowie einer lange Einführung von Franks einzigem Sohn Tim und einigen Fotos.

Eine Biographie von Sawyer ist unter dem Titel „Man of the Riverside“ von Sidney Vines geschrieben worden und wurde von George Allen und Unwin 1984 veröffentlicht. Es enthält einige von Frank Sawyer’s veröffentlichten Artikel in Zeitschriften, sowie einige seiner unveröffentlichten Arbeiten.

Im Jahr 2006 veröffentlichte Sawyer’s Enkel Nick Sawyer über die Firma „Sawyer Nymphs Ltd“ das Buch „Frank Sawyer Nymphing Secrets“. Dieses enthält einige bisher unveröffentlichte Arbeiten von Frank Sawyer bezüglich der Kunst der Nymphenfischerei.

Verwendete Quellen und weiterführende Links:
Frank Sawyer, Keeper of the Stream (Salisbury: Sawyer Nymphs Ltd, 2005) 212-220
Frank Sawyer, Nymphs and the Trout (Salisbury: Sawyer Nymphs Ltd, 2006)
Nick Sawyer, Frank Sawyer’s Nymphing Secrets (Salisbury: Sawyer Nymphs Ltd, 2006)
Wikipedia – https://www.wikipedia.org

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